Ich weiß, Liebes,

seine Versprechen hallen noch immer so laut nach, wie Echos, die einfach nicht aufhören. Die Worte, die er dir ins Ohr geflüstert hat, während du dich an sein Herz schmiegtest und ihr gemeinsam in den Gezeiten euch verloren habt, dort in dem Sessel vor dem Fenster. So still, nah und vertraut.

Du hörst noch immer seine Stimme, die mit dir Pläne schmiedet, du siehst vor dir die so vielen Zeilen der Briefe, die er dir schrieb, wie er darüber redete, sein Leben mit dir zu verbringen, wie er dir sagte, dass er von Anfang an gewusst hatte, dass DU es bist.

Wie er über die Kinder sprach, die er zusammen mit dir haben und großziehen wollte,

wie er davon redete, dich zu heiraten, all die vielen Male, die er von dem Haus und Garten schwärmte, welche er zusammen mit dir manifestieren wollte, die Länder, die er mit dir bereisen wollte.

Du hörtest alles, was eine Frau dazu bringt, einem Mann ihr ganzes Herz zu geben.

Ich weiß, wie sehr du auch all dies wolltest. Ich weiß, wie sehr du all dies mit ihm wolltest. Ich weiß, wie sehr du nur mit ihm sein wolltest.

Wie er einmal sagte, dass er dich auf einer Ebene kennenlernen möchte, die noch nie zuvor jemand kennenlernen durfte, in deine Tiefen eintauchen, die zuvor noch niemand wagte zu berühren, und wie diese Worte die schönsten waren, die du jemals gehört hattest.

Du warst so sicher, dass du ihnen vertrauen konntest.

Ich weiß, du konntest dein Glück kaum fassen. Doch du warst die glücklichste Frau in diesen Momenten.

Aber ist er nicht mehr da.

Er ist so plötzlich gegangen.Und mit ihm verschwand auch jede mögliche Zukunft, die ihr zusammen hättet erbauen können.

Verlassen… wo früher so viel Hoffnung und Glaube, soviel Herzklopfen und Freude, wo pure und unschuldige Liebe war, ist nun nichts mehr weiter übrig als ein endloses Meer aus Tränen dieser zerbrochenen Träume.

Er entschied sich zu gehen, ohne dir auch nur in deine Augen zu sehen. Die Härte seiner Stimme und die kalten Worte durch das Telefon trafen dein Herz und ließen es erschüttern.

Bitte hör mir zu, jetzt bist du an der Reihe, ebenso einen anderen Weg zu gehen.

Ich weiß, es ist so schwer und es fühlt sich an, als würdest du wieder und wieder sterben jeden einzelnen Tag, wieder und wieder geboren werden, jeden einzelnen Tag.

Und ja, es scheint, als würde es nie jemals aufhören. Ich weiß, derzeit bedeutet es Tag für Tag, manchmal Stunde für Stunde.Und wenn es dich ganz tief schlägt und Kummer ohne Vorankündigung kommt und du erneut zu Boden stürzt, dann manchmal Sekunde für Sekunde.

Lass es kommen. Lass es dich zu Boden werfen.

Doch finde es deinem tapferen Herzen, jetzt bist du an der Reihe, auch einen anderen Weg zu wählen.

Lass diese zerbrochenen Träume hinter dir, denn wie es bereits sagt: sie sind zerbrochen. Tauche ein in den Ozean deiner Tränen der Trauer und der trostlosen Hoffnung und lass dich tragen – egal wie weit -, und heilen – egal wie tief. Du musst gerade nicht wissen, wie. 

Lass es einfach geschehen. Lass es dich aufbrechen. 

Du musst loslassen. Lass los. Höre auf mich…lass los.

Verabschiede dich in Dankbarkeit von dem, was du für wahre Liebe und Freundschaft hieltest.

Es war wundervoll, diese Träume von ganzem Herzen und so offen zu tragen, es war wunderbar zu glauben, dass dies alles für dich passierte, dass all das, was du dir jemals gewünscht hattest, tatsächlich wahr werden könnte. Und du warst so bereit, gemeinsam zu wachsen.

Es war wundervoll, wie du euch beide nie aufgegeben hast, obwohl du in den letzten vergangenen Monaten innerlich geweint, geschrien hast, dass du all das nicht alleine schaffen kannst.

Du brauchtest ihn

…du brauchtest von ihm die Sicherheit wieder, die er dir vorher gab. 

Du brauchtest von ihm, dass er genauso wie du IN dieser Beziehung ist, voll und ganz. Du warst so untröstlich und verwirrt durch sein stetiges Kommen und Gehen. Doch hast du nie aufgehört an euch zu glauben.

Es war wundervoll, so tief und innig geliebt zu haben. Wundervoll, wie du – egal was auch passieren würde –  immer daran glaubtest, dass ihr es schaffen würdet, durch jeden Sturm gemeinsam Hand in Hand zu gehen, zu wissen, dass es manchmal mehr er ist, der dich trägt, und es manchmal mehr du bist, die ihn trägt.

Du hattest keine Angst vor dieser Verbindlichkeit. Du hattest keine Angst, deine Liebe auf so tiefe Weise zu teilen, keine Angst vor dieser Liebe. Und selbst wenn du jemals Angst gehabt haben solltest, dich ganz und gar in deinem Naturell, dich verletzlich und authentisch zu zeigen, hast du mutig den Weg des Herzens gewählt. Denn du kanntest die Wahrheit. 

Daher, Liebes, es gibt nichts, wofür du dich schämen müsstest, und bitte hör auf, dir die Schuld dafür zu geben. Du hast alles gegeben, was du konntest.

 

Unfinished Symphony

Also lass ihn los, obwohl du niemals Antworten bekommen wirst, obwohl diese Symphonie so unvollendet ist.

Heb dein Instrument wieder auf und lass deine Stimme bis zur allerletzten Note klingen. Dies ist nun dein Solo, beende es anmutig. 

Halte hier noch kurz inne und lausche, wie auch der letzte Ton mehr und mehr verblasst. Leg dein Instrument mit Würde wieder ab und verlasse dann für immer diese Bühne.

Ich liebe dich und du schaffst es.

Auch dies wird vorübergehen.